Einrad-Anhänger: Sie kippen nicht um

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Der Einrad-Anhänger: ein Multitalent
Heute würde man sagen: So ein Einrad-Anhänger ist ein Multitalent. Was wurde damals alles daraus gemacht: Als Transportgerät - mit oder ohne Kran - war er allemal nützlich, man nahm ihn mit in den Urlaub nach Italien, denn es passte eine Menge rein. Auf die Seite gestellt wurde aus dem Einrad-Anhänger ein Geschirrschrank, der Straßenbau nutzte ihn als Messgerät, und schließlich hatte jemand die Idee, daraus ein Boot zu machen – mit Erfolg. Also gab es sogar einen schwimmenden Einrad-Anhänger.

Ein Einrad-Anhänger für LKW
Auch bei Lkw und Bussen stand diese Erfindung hoch im Kurs. So hatte Firma Kässbohrer zwischen 1927 und 1939 einen Einrad-Anhänger für LKW  entwickelt, auf dem ein Holzgasgenerator der Firma Imbert (Frankreich) montiert wurde. Es gab auch die Möglichkeit, den Einrad-Anhänger mit Gasgenerator vor den Lkw zu montieren. So konnte die Kippvorrichtung der Ladefläche weiter genutzt werden.

Treibstoff aus Brennholz, Kohle oder Koks: Einrad-Anhänger für Linienbusse
Ab 1935 und im Zweiten Weltkrieg war der Kraftstoff knapp, also wurden Linienbusse nach und nach auf Ersatztreibstoffe umgestellt. Firma Kässbohrer in Ulm und Fa. Hoffmann in Hannover-Laatzen bauten einen Einrad-Generatoranhänger, auch Spornradanhänger genannt. Im Kessel auf dem Anhänger wurde Brennholz, Kohle oder normaler Koks verbrannt und zu Gas verschwelt. Das war der Treibstoff für den Bus. Das Spornrad war selbstlenkend, so dass der Anhänger trotz starrer Deichsel in Kurven fahren und auch zurückgestoßen werden konnte. Das Gewicht des Generators mit all seinen Reinigern, Vor- und Nachfiltern betrug 600 bis 700 Kilogramm. Dieser Einrad-Anhänger war für Omnibusse sehr praktisch. War der Gasgenerator defekt, wurde der Anhänger ausgetauscht. Der Bus konnte weiterfahren, und so blieben die Buslinien erhalten. Holz lagerte man auf dem Dachgepäckträger, getankt wurde an den 2.000 Holztankstellen in Deutschland.

Vom ersten Anhänger zum Fachmann für wertvolles Kulturgut
„1982 fragte mich ein Kollege, ob ich seinen Einrad-Anhänger haben wolle“, erzählt Karlheinz Flach.„Dieser Anhänger war bis dato von einem Mercedes 123 gezogen worden, mein Kollege kaufte sich einen größeren Anhänger, weil der bisherige nur eine Zuladung von 100 kg erlaubte. So fing das an. Jetzt freue ich mich über alle Informationen zum Thema Einrad-Anhänger für Pkws, Lkws, Omnibusse und Panzer – es lässt mich nicht mehr los.“Im Anfang war das ein schönes und seltenes Hobby, doch dann wurde es zu einer wertvollen historischen Arbeit mit dem Ziel, Kulturgut zu retten. So ein Einrad-Anhänger wäre etwa bei einem Elektro-Auto eine gute Alternative: Die Akkus könnten damit transportiert werden. Und sind sie leer, tauschen wir einfach den Anhänger.
Weitere Informationen zu dieser historischen Arbeit:
www.pkw-einradanhaenger.com