Die Huttaler Widerwaage mit Christian Barsch

Clausthal im Harz. „Da vorne waren die beiden bedeutendsten Gruben hier im Oberharz, `Dorothea´ und `Caroline´, und es ist heute kaum vorstellbar, dass die Schächte so tief waren wie nirgendwo anders auf der Welt.

Diplom-Forstwirt Christian Barsch geht an diesem Tag mit einer kleinen Gruppe die  „Huttaler Widerwaage“,
eine Strecke, die zwar nur 7 Kilometer lang ist, aber bei gemütlicher Gangart und spannenden Erklärungen mehrere Stunden dauert, einschließlich Mittagspause.  Das Besondere an dieser Wanderung ist das Verborgene, die Zeit von 1711 bis 1867, als aus den beiden Gruben Erz gefördert wurde.  Schon Johann Wolfgang von Goethe, James Watt und Heinrich Heine gehörten im 18. und 19. Jahrhundert zu den tausenden von Bergwerksbesuchern dieser international berühmten Bergwerke.

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Christian Barsch versteht es, die stille und nahezu idyllische Szenerie lebendig zu machen, das Verborgene, die grandiosen technischen Erfindungen und das überwiegend raue Leben ans Tageslicht zu bringen.

Der Hirschler Teich - an der höchsten Stelle der Pfauenteich-Kaskade

„Wir stehen jetzt am Hirschler Teich, 1660 gebaut, aber in den darauffolgenden Jahren etliche Male erhöht. Das Wasser wurde für die `Dorothea´ und `Caroline´ gebraucht, und damit immer genug da war, hat man es quasi in der weiten Umgebung gesammelt und durch Gräben und untertägige Wasserläufe hierher geführt.  Eine sehr aufwändige Arbeit, aber die haben das geschafft.“

Am Hirschler Teich steht die Gruppe auf einem Staudamm, rund 12 Meter tiefer folgt bereits der nächste Teich, dahinter der dritte, an den sich sogar noch ein vierter anschließt. „Pfauenteich-Kaskade“ heißt dieses von Menschen erschaffene Werk.

Die Kraft des Wassers

„Je tiefer die Bergleute gruben, desto mehr Wasser drang in die Bergwerke ein. Also hatte das Wasser zwei Aufgaben. Zum einen trieb es die so genannten Kehrräder an, mit denen das Erz aus den Schächten gefördert wurde, zum anderen brachte es die Kunsträder in Bewegung, die über lange Gestänge aus Holz Pumpen antrieben, mit denen das Wasser aus den Gruben gehoben wurde.“

Spätestens jetzt sind die Gäste voller Achtung für die Menschen, die diese Leistungen vollbracht haben. Anerkennung gebührt aber auch all den Familien, die sich für ein Leben mit dem Bergbau entschieden hatten. Es war nicht leicht.

Der Weg, den die Gruppe geht, ist nur ein kleiner Teil des Oberharzer Wasserregals, an dem Christian Barsch aber das große Ganze erklären kann. Teiche, Gräben, Wasserläufe, Kunst- und Kehrräder, Gestänge für die Pumpen und vieles mehr.

Das Oberharzer Wasserregal gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe

„Es lohnte sich, diesen Aufwand an Technik und Material zu betreiben, denn die Erträge versprachen viel Geld“, meint Christian Barsch. „Übrigens ist das „Regal“  ein vom König oder vom Landesherrn verliehenes Recht, Bergbau im Harz zu betreiben und das Wasser dafür nutzen zu dürfen.“

Seit 1978 steht das Oberharzer Wasserregal unter Denkmalschutz, seit 2010 gehören die Anlagen zum UNESCO-Weltkulturerbe, zusammen mit dem Bergwerk Rammelsberg (Goslar) und der Altstadt von Goslar.

Ohne Holz lief gar nichts

Auch die Wälder des Harzes waren ein wichtiger ein Teil der Energie- und Rohstoffversorgung des Bergbaus. Das Holz wurden in großen Mengen genutzt, um Holzkohle herzustellen oder Grubenholz zu gewinnen. Historische Darstellungen zeigen vielfach kahle Berge, der Bergbau änderte das Aussehen der Landschaft, so dass eine aus heutiger Sicht eher gruselige anzusehende Industrielandschaft entstand. Die Knappheit des Holzes war so bedrohlich für den Bergbau, dass nur noch so viele Bäume geschlagen werden durften wie auch wieder nachwuchsen. Das Prinzip der Nachhaltigkeit war erfunden, die Harzer Förster zählen zu den „Vätern der geregelten Forstwirtschaft“. 

„Das ist der Grund, warum wir heute so viele Fichtenmonokulturen im Harz haben. Heute formen die Landesforsten durch moderne Forstwirtschaft aus diesen Wäldern wieder natürlichere und damit stabilere Buchen oder Fichten-Buchen-Mischwälder“ erklärt Christian Barsch.

Gemütlich essen im Polsterberger Hubhaus

Es ist Zeit für das Mittagessen. Die Gruppe macht es sich im Polsterberger Hubhaus gemütlich, einige bestellen Spinatknödel, weil sie in ihrem Hotel die Empfehlung dafür bekamen. Auch die Bratkartoffeln sind köstlich, und sie passen gut nach einigen Kilometern Wanderung.

Das heutige Restaurant Polsterberger Hubhaus lässt sich vereinfacht so beschreiben: Im Haus liegt ein 18 Meter tiefer Schacht, in dem Pumpen arbeiteten. Diese Pumpen hoben das Wasser aus einen tieferliegenden Graben in einen höher gelegenen, um das Wasser dann in einem Speicherteich zu leiten. Eine geradezu sensationelle Konstruktion.

Prädikat: sehr zu empfehlen

Vom Hubhaus geht es zurück zum Ausgangspunkt. Die vielen Eindrücke wirken, die Teilnehmer sehen Gräben, Teiche und einstige Schachtzugänge im Waldboden („Pingen“) mit anderen Augen. Für heute ist es gut. Die Reise zurück in die Zeit des Bergbaus hat sich gelohnt und hat viele Sterne verdient. So geht es jeder Gruppe, die sich mit Christian Barsch auf den Weg begibt. Sein Spektrum ist groß, professionell kann er jede Tour individuell auf die Wünsche der Zielgruppe ausrichten. Dabei ist das ja nur ein Teil seiner umfassenden Arbeit für den Oberharz. Vor Jahren wurde der Begriff des sanften Tourismus geprägt. Eigentlich könnte der Diplom Forstwirt der Erfinder sein…

Christian Barsch mit seiner Gruppe am Hirschler Teich.Am Hirschler Teich ist es idyllisch.Aus den beiden Gruben Dorothea und Caroline wurde Erz gefördertEine Skizze unterstreicht die ErklärungenBlick vom Hirschler Teich in Richtung Clausthal.Die Pfauenteich-Kaskade. Am oberen Bildrand ist der Hirschler Teich. Foto: Oberharzer WasserwerkeEs geht weiter.Gute Beschilderung auf dem gesamten WegWasserläufe, ober- und unterirdisch, führten das Wasser zum Hirschler Teich."Kleines Wasserbecken" sagen die Bergleute dazu. Das Wasser läuft durch das "Mundloch" in den Hirschler Teich bzw. aus ihm heraus. Links oben der "rätselhafte Stollen".Christian Barsch erklärt nochmal die Komplexität der Wasserläufe.Auf der anderen Seite des Weges sieht es so aus.Jetzt ist das Thema Wald dran.Die Forstleute haben vor Jahren einen Fichten-Buchen-Mischwald angelegt.Gemütlich einkehren am Polsterberger Hubhaus.Heute Restaurant - hier kann man den Werdegang nachlesen.Gute Beschilderung auch neben den Straßen.Auffällige und zugleich schöne Info-Tafeln im Oberharzer Wasserregal.