Mit Elektro-Motorrädern durch den Harz

Förste bei Osterode. Die Tour beginnt morgens gegen 9 Uhr. Marion Schmidt sammelt die Fahrer um sich und erklärt die Elektro-Motorräder. Die größte Umstellung betrifft den Antrieb: Ein  Verbrennungsmotor muss Drehzahl aufbauen und erreicht dann das volle Drehmoment, der eMotor hat es sofort. Und das heißt: volle Leistung aus dem Stand bis zur Höchstgeschwindigkeit. Für die Neulinge auf dem Gebiet: Die PS-Leistung, die wir kennen, ist nur für die Höchstgeschwindigkeit zuständig, das Drehmoment für die Beschleunigung. Eine kurze Drehung am Griff, und das Elektro-Motorrad summt los. Da muss man wach sein.


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Dann geht´s los. In Gruppen von zwei bis zehn Gästen. Matthias Schmidt vorneweg, er hat mittlerweile 400.000 Motorrad-Kilometer in den Knochen, seine Frau Marion, ebenfalls eine erfahrene Motorradfahrerin, fährt am Schluss.
Zwischen den Beiden reihen sich die Neugierigen, die Erfahrenen, die Skeptiker, die Vorsichtigen, die Probierer, die Neunmalklugen und die Genießer. 100 Kilometer mit dem Elektro-Motorrad ? Naja, immerhin ist die Gruppe im Harz unterwegs, im „Motorradschutzgebiet“, wie Matthias Schmidt dazu sagt. Da gibt´s eine Menge zu sehen, und jedes Jahr brummen hier im Sommer Zehntausende durch die Kurven. Das tut der Wirtschaft im Harz ganz gut.

Und jetzt also Elektro-Motorräder. Reichweite gut 100 Kilometer, was als Aussage gleich zu setzen ist mit dem Tankinhalt. eMotorräder werden halt nachgeladen und nicht nachgetankt, was dem Spaß keinen Abbruch gibt, ein solches eMotorrad kann am Tag 250 Kilometer im Harz fahren - also kein Unterschied. Statistisch gesehen ist das viel für jemanden, der mit dem Motorrad hauptsächlich in der Stadt unterwegs ist. Eine Tour bei schönem Wetter ist meistens nicht länger, die meisten Fahrer machen dabei auch Pausen zwischendrin, und die nutzt man mit eMotorrädern halt zum Laden.
Es geht von Förste über die B 248 kurvig zur Römerschlacht am Harzhorn, einerecht junge Sehenswürdigkeit auf der Höhe von Echte. Zwei Sondengänger fanden 2008 im Wald Speer- und Katapultgeschoss-Spitzen, eine Pionierschaufel sowie eine eiserne Hufsandale. Jahre später waren mehr als 2.000 überwiegend militärische Funde geborgen. Sicher ist damit, dass das Harzhorn im 3. Jahrhundert nach Christus Schauplatz eines blutigen Gefechts zwischen Germanen und Römern gewesen sein muss.

„Wenn ihr jetzt auf eure Anzeige seht, dann müsstet ihr noch etwa 80 Prozent Energie haben“, meint Matthias Schmidt. So ist es, und nach einer kurzen Pause am modernen Denkmal geht es weiter Richtung Seesen, von dort über den Pass nach Lautenthal, dann den nächsten Berg hoch nach Hahnenklee. Spätestens in Hahnenklee haben alle Fahrer eingutes Gefühl für ihr Elektro-Motorrad.

eMotorräder fahren dynamischer, sie müssen vor Kurven nicht so stark gebremst werden, denn die Energie wird sozusagen in den Akku zurückgeführt. Aus den Kurven heraus hat man immer das volle Drehmoment, und bei vielen Modellen muss man nicht mehr schalten, das erhöht den Fahrspaß.

Auffällig sind die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf der Strecke: Tempo 50, 60 und 70 wechseln sich ab, 100 zu fahren ist nicht oft möglich. Dann abbiegen nach Clausthal und schon naht die große Pause beim Windbeutel-König an der Oker Talsperre. Der hat nicht nur verführerische Windbeutel, sondern er weiß auch, was Motorradfahrer gerne essen und trinken. Die tolle Aussicht auf die Oker Talsperre gibt´s obendrauf. Übrigens auch der Windbeuel König Erik Holste mittlerweile auf Elektro-Motorrad umgestiegen. Er hat ja auch die Ladesäule direkt am Haus.

Sie ist von Matthias Schmidt konstruiert worden, denn er ist Meister für Elektrotechnik und auch für Energietechnik, was ihm die Beschäftigung mit eMotorrädern leichter macht. Übrigens können auch Fahrradfahrer hier ihre Akkus laden.

„Wir sind jetzt so bei 40 % und laden unsere Akkus. Damit vergrößern wir die Reichweite“. Selbst der Skeptiker muss an dieser Stelle einräumen, dass diese eMotorräder ja doch ganz bequem zu fahren sind, wenn man sich erstmal eingefahren hat. Kein Geknatter oder Getucker, sondern ein Summen. Und eins ist ihnen überall gewiss: Der neugierige und meistens unglaubliche Blick der Passanten unterwegs. Ohne Ausnahme schauen sie hinterher, bleiben sogar stehen, um die eMotorräder länger beobachten zu können.Langsam nähert sich eine große Gruppe von etwa 100 Motorrädern. Und sofortsind die eMotorräder an der Ladesäule im Fokus. „Kuck mal, Elektro-Mopeds“, sagt einer. „Wie weit kommt ihr damit?“ fragt ein anderer, und: „Kein sympathisches Geräusch – da würde mir was fehlen“. Und schon sind sie wieder im Gespräch, die „klassischen“ Motorrad-Fahrer und die umwelt- und energiebewussten. Matthias Schmidt: "Ich bin Motorradfahrer und nicht Motorradhörer und das Fahren machen die elektrischen eindeutig besser!“ so oft hat er das schon gesagt, und genauso oft wird das noch zu hören sein.

Kabel zurück in die Ladesäule, Helme auf, weiter geht’s. Eine wunderschöne Strecke über Altenau, Dammhaus, an einer Talsperre vorbei zurück nach Förste. Das beste zum Schluss: die Tour hat pro eMotorrad 1,70€ Energie verbraucht.