Bis zum 15. Oktober zeigt das Küstenmuseum Fotos des Journalisten Uwe Wohlmacher, der in Wilhelmshaven geboren ist und in Berlin lebt. Wie er zum Thema "Street Art" kam, beschreibt er so:

 

Es muss Mitte der 2000er Jahre gewesen sein, als ich in Berlin-Mitte an einer Hauswand in Kniehöhe eine kleine aufgesprühte Figur entdeckte. Intuitiv fotografierte ich das kleine Kunstwerk und konnte von da an die Augen gar nicht mehr von den Häuserwänden lassen, in der Hoffnung noch weitere künstlerische Objekte zu finden.

Auch in den darauffolgenden Wochen und Monaten sah ich immer mehr kleine und manchmal auch größere Graffitibilder und schnell waren ein paar Hundert Objekte fotografiert. Anfang 2010 veränderte sich die Szene und immer größere Werke mit kunstvoll gearbeiteten Fantasy- oder realistischen Motiven, sog. Murals, tauchten an Hauswänden auf. Diese Objekte kann man als künstlerische Positionen ansehen, denn augenscheinlich suchten immer mehr ausgebildete Künstler den Weg an den Galerien vorbei in den Öffentlichen Raum.

Nach Gesprächen mit Streetart-Künstlern und Recherchen im Internet reifte der Entschluss, so viel wie möglich dieser ja doch vergänglichen urbanen Kunstwerke zu dokumentieren. Meine Suche führte mich zu Adressen und versteckten Orten in Berlin und auch anderen Städten. Dabei stellte sich heraus, dass eine ganze Bandbreite an künstlerischen Techniken entwickelt worden war.

  • Am meisten verbreitet sind bis heute die Arbeiten mit Sprühlack,
  • daneben finden sich auch Paste-Ups (Papierarbeiten, die auf Hauswände tapeziert werden),
  • Stencils (Motive, die mit Hilfe von Schablonen entstehen),
  • Tape-Art (Bilder, die mit Klebeband kreiert werden),
  • kleine Installationen und selbst bemalte Holzbrettchen oder
  • handelsübliche Kacheln werden im Öffentlichen Raum ausgestellt.

Thematisch ist die Szene  mittlerweile so vielfältig wie die kommerzielle Kunst. Oftmals zitieren Streetart-Künstler sogar Stile oder bekannte Künstler der Kunstgeschichte.

So kommt es nicht von ungefähr, dass sich inzwischen immer mehr etablierte Galeristen, Kunsthändler und Museumsleiter für diese alternative Kunst, die Streetart oder auch Urban Contemporary Art genannt wird, interessieren und so auch diese Stilart in den kommerziellen Kreislauf eingeht.

Eigentlich ein Widerspruch zu den anonymen Arbeiten im Öffentlichen Raum, die nach Absicht der Künstler dauerhaft dort verbleiben sollen, da sie in Galerien nur einem ausgesucht kleinen Kreis zugänglich wäre. Einige dieser Künstler, die sich gegen die kommerzielle Verwertung von Kunst wenden, wie z.B. der Engländer Banksy, veröffentlichen ihre Werke über soziale Medien wie youtube, Facebook oder Instagram, um sie der Allgemeinheit vorzustellen.

Im Laufe der Jahre wurden von mir an die 2.500 künstlerische Positionen dokumentiert und so entwickelte sich irgendwann die Idee, eine Auswahl dieser fotografierten Arbeiten in einer Ausstellung zu zeigen.

Umso glücklicher bin ich, im KÜSTENMUSEUM in meiner Geburtsstadt Wilhelmshaven einen Partner gefunden zu haben, der diese Fotografien nun im Rahmen des Streetart-Sommers vom 25. August bis Mitte Oktober 2017 an der Jade präsentiert.

Ich hoffe, die Ausstellung „Von der Subkultur zum Kunstobjekt“ vermittelt Ihnen etwas von der Freude, die ich hatte, als ich diese wunderbaren farbigen Häuserwände, kleinen und großen Murals, Stencils, Paste-Ups, Tape-Arbeiten und Objekte entdeckte und fotografierte.

Uwe Wohlmacher