Wie ich zu einem Hubschrauber kam und mir selbst das Fliegen beibrachte

"An Werkzeugen und Werkzeugmaschinen fehlte es in meinem Betrieb nicht", schreibt Hermann Havertz am 15. Dezember 1973, "und die Kenntnisse von meinem Studium auf der staatlichen Maschinenbauschule kamen mir bei der Berechnung sehr zu gute."

Ingenieur Hermann Havertz hatte eine Kfz-Werkstatt mit Tankstelle in Essen. Als 72 jähriger beschreibt er rückblickend seine Begeisterung für die Fliegerei – und den Willen, einen eigenen Hubschrauber zu bauen. Mit seinem fünften Modell, dem "HZ – 5", einem einfachen und schnörkellosen Fluggerät, hatte er sogar über 50 Flugstunden hinter sich gebracht. Den "HZ-5" schenkte er dem Hubschraubermuseum Bückeburg.


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Josef Wagner (1907-1987) war auch ein Tüftler und Techniker. Das von ihm gegründete und heute weltweit tätige Unternehmen ist spezialisiert auf Spritzpistolen, mit denen Farbe auf unterschiedliche Gegenstände gesprüht oder gespritzt wird.
Bemerkenswert: Wagner, der während des Krieges bei der Messerschmitt AG gearbeitet hatte, konstruierte von 1960 bis 1974 Hubschrauber und war dabei sehr erfolgreich. Es mag kurios klingen, aber Wagner schaffte es sogar, Hubschrauber und Auto zu kombinieren. Der Prototyp Rotocar III aus dem Jahr 1965 steht heute auch im Hubschraubermuseum Bückeburg.

Havertz und Wagner hatten zu ihrer Zeit allen anderen Denkern und Konstrukteuren etwas Entscheidendes voraus: Sie konnten Motoren einbauen. Die Rotorblätter wurden also von Motoren angetrieben und "schraubten" das Fluggerät nach oben.
"Wie bekomme ich das Gewicht eines Hubschraubers (Fluggerätes) und das Körpergewicht des Piloten in die Luft und möglichst schonend wieder zum Erdboden zurück?"
Das war ja immer das Problem – im 18. Jahrhundert vor Christus (China), im antiken Griechenland (Ikarus und Daedalus), zurzeit Leonardo da Vincis - bis zu den Brüdern Montgolfier, die 1783 immerhin mit einem Heißlauftballon abheben konnten.

Und dann kam der Franzose Paul Cornu (1881 – 1944). Cornu stellte Fahrräder her. Dabei muss ihm irgendwann die Idee zu einem Hubschrauber gekommen sein, und als er 26 jahre alt war, hob er in Lisieux, Calvados (Frankreich), ab: zwar nur 20 Sekunden lang und auch nur 30 Zentimeter über dem Erdboden, aber immerhin: Er war weltweit der erste, der mit seinem 260 Kilogramm schweren "fliegenden Fahrrad" erfolgreich, frei und ungefesselt>abhob und wieder sicher landete. Das war nur möglich, weil Cornu unter anderem einen 24 PS-starken Motor einsetzte.
Ein originalgetreuer Nachbau steht – wo sonst ? – im Hubschraubermuseum Bückeburg.

Noch jünger als Cornu – nämlich erst 16 Jahre alt - war der Spanier Juan de la Cierva y Codorniu (1895 bis 1936), als er Flugzeuge berechnete und konstruierte. Ihm haben wir den Autogiro zu verdanken, einen Tragschrauber. Er unterscheidet sich vom Hubschrauber dadurch, dass der Rotor durch den Fahrtwind gedreht wird. Der Autogiro wird von einem Motor (hinter dem Piloten) vorgetrieben, hebt ab wie ein Flugzeug, und die Luft-Strömung hält die Rotorblätter in Drehung. 1923, nach einigen Jahren Entwicklung, hob ein Autogiro in der Nähe von Madrid ab und flog in fast vier Minuten mehrere Kilometer. Und so ging es weiter bis zu einem Schicksalsschlag im Jahr 1936.
Bei einem Absturz einer Linienmaschine in der Nähe von London kam auch de la Cierva ums Leben. Ohne seinen Autogiro, der anfangs instabil war, dann aber von Modell zu Modell verbessert wurde, wäre die Konstruktion eines Hubschraubers so nicht möglich gewesen.

Es ist dem Gründer des Museums, dem Piloten und Hubschrauber-Fachmann Werner Noltemeyer (1921 – 2003) zu verdanken, dass wir etwas von der Leidenschaft der vielen Konstrukteure erfahren. Neben den oben genannten spielen natürlich auch Professor Henrich Focke, Igor Sikorski, Anton Flettner, Ludwig Bölkow und noch viel andere eine bedeutende Rolle.

Noltemeyer und die Stadt Bückeburg haben den Menschen ein besonderes Kapitel der Luftfahrt geschenkt, über das mit großer Anerkennung auch außerhalb Deutschlands gesprochen wird.
Und so werden diejenigen, die an einer Führung durch das Hubschraubermuseum Bückeburg teilnehmen, die Achtung und die Bewunderung spüren, mit der die Fachleute -allesamt ehrenamtliche- über die Männer und Frauen erzählen, die uns heutzutage das Fliegen so leicht und selbstverständlich erscheinen lassen.


Besucher beim Rundgang"Autogiro", von de la Cierva gebaut, flog erstmals am 9. Januar 1923Ein Nachbau des "fliegenden Fahrrades" von Paul Cornu (1881-1944)Mit dem Rotocar III hat Josef Wagner (1907-1987) Hubschrauber und Auto kombiniert.Der erste voll verwendungsfähige Fw 61-Hubschrauber, konstruiert von Prof. Henrich Focke (1936)Am 26. Juni 1936 startete die Fw-61 zum ersten freien Flug, wurde aber nicht in Serie produziert.Über 50 Flugstunden machte Hermann Havertz mit seinem Hubschrauber Hz-5.Russischer Hubschrauber "Ka-26" aus den 1960er und 1970er Jahren, konnte in kurzer Zeit umgebaut werden, z.B. zum Krankentransporter oder für die Landwirtschaft.Jüngere Hubschrauber mit sehr guten FlugeigenschaftenRotocar von Josef Wagner (1963) - eine Kombination aus Auto und Hubschrauber: Es blieb beim Prototyp.

EINTRITTSPREISE

Kinder/Jugendliche (6-16): 4 Euro

Kinder unter 6: frei

Erwachsene: 7,50 Euro

Für Mobilitätseingeschränkte geeignet.

ÖFFNUNGZEITEN

Täglich von
10 bis 17 Uhr

nur am 24.12., 25.12., 31.12. und am 01.01. geschlossen

URHEBER FOTOS

Hubschraubermuseum Bückeburg