Der Honighof Göken in Friesoythe

Laendliche einkaufen im Oldenburger Muensterland

Der Honighof Göken in Thüle ist eine süße Perle im Oldenburger Münsterland. Die Leidenschaft Honig hat Familie Göken sogar in First Class-Hotels geführt (Schloss Elmau, Kempinski). Aber der Reihe nach.

Bienen und Honig im Gebiet der Thülsfelder Talsperre? Eher ungewöhnlich. Wenn wir gut 200 Jahre zurückspringen, sieht es schon besser aus. Da gründet der erste Göken in Thüle eine Hofstelle. Doch der Boden ist ziemlich mager, von der Landwirtschaft kann man keine Familie ernähren. Aber der Hof ist von großen Heideflächen umgeben. Bienenvölker summen herum. Das bringt Johann Göken auf die Idee, sich mit Imkerei zu beschäftigen. Bald beginnt er mit der Produktion von erlesenem Honig.

Gute Idee, allerdings leben nicht viele Menschen in der Gegend, obendrein sind sie arm. Also muss Johann Göken neue Märkte erschließen. Er beschließt, reisender Honigverkäufer zu werden. Die französische Besatzung verlangt von ihm einen Pass oder Passierschein. Diese Hürde nimmt der clevere Imker im Jahr 1802, der Bürgermeister der Stadt Friesoythe stellt ihm im Laufe der Zeit mehrere Begleitschreiben aus.

So gelingt es Johann Göken, seinen Honig unter anderem im 100 Kilometer entfernten Emden zu verkaufen. Der Weg dorthin ist wahrlich kein Zuckerschlecken, denn nach Emden führen nur holprige Wege und schmale Flüsse, auf denen die kleinen Boote mit Ware gezogen werden müssen. (Man sagte dazu „treideln“.)

Wir sind wieder im Hier und jetzt. Am Kerngeschäft hat sich nichts geändert. Die Gökens haben mittlerweile Stammkunden innerhalb Deutschlands und Europas, und mit neuen Ideen und Produkten überzeugen sie auch neue Kunden. Das geht heutzutage aber alles im Turbo-Tempo.

Bernhard Göken kauft Honig von Imkern, stellt Sortimente zusammen und verkauft sie an Hotels, in gastronomische Betriebe u.v.m. Durch die Erfindung eines „Dispensers“ ist es sogar möglich, am Frühstücksbuffet mehrere Sorten Honig zu probieren. Ein Riesenerfolg für den Honighof.

Der Honighof in Thüle ist ein Logistik- und Management-Zentrum.

„Natürlich können wir den Menschen erklären, wie Honig hergestellt und verarbeitet wird, wir bieten auch Anschauungsmaterial, aber es ist nicht unser Kerngeschäft. Deshalb ist es gut, wenn wir Touristen vorab darauf hinweisen, dass sie bei uns nicht auf eine Imkerei mit Lehrpfad treffen. Am besten, sie gucken ins Internet und machen sich einen Überblick über unsere Leistungen und Produkte. Wir haben zwar keine Bienenvölker, dafür aber Honig und andere Produkte von hoher Qualität. Das bestätigen jedenfalls unsere Kunden.“


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