Gemüthskrank und gefährlich wüthend

Irre, rasend, geisteskrank. Begriffe, die heute nur noch umgangssprachlich und oft abwertend benutzt werden, waren in der Vergangenheit Teil des allgemeinen Sprachgebrauchs für Menschen mit psychischen Erkrankungen. Doch was meinten sie genau? Was bedeutete ein Leben mit psychischer Krankheit für die Betroffenen selbst, für ihre Familien und das weitere soziale Umfeld?

Die Ausstellung, ein Kooperationsprojekt der Universität Vechta mit dem Museum Vechta und dem Museumsdorf Cloppenburg, geht diesen Fragen anhand ausgewählter Geschichten von Menschen aus dem Oldenburger Münsterland nach.

Sie wurden von Studierenden des Fachs Geschichte im Niedersächsischen Landesarchiv Standort Oldenburg recherchiert und gemeinsam mit den Museen in Inszenierungen umgesetzt. Im Fokus steht das 19. Jahrhundert, als die Psychiatrie sich zu einem eigenständigen medizinischen Fachgebiet entwickelte und überall in Deutschland und Europa spezialisierte Anstalten für psychisch kranke Menschen eingerichtet wurden – so auch die 1858 eröffnete Irrenheilanstalt zu Wehnen im Großherzogtum Oldenburg.

Dennoch blieb die Einweisung in eine solche Einrichtung die Ausnahme. Schon aus Kostengründen kam sie oftmals nur in Frage, wenn die alltäglichen Bewältigungsstrategien der Familien und Dorfgemeinschaften an ihre Grenzen gerieten. Die Ausstellung zeigt den Alltag psychisch kranker Menschen und ihrer Angehörigen im ländlichen Raum – jenseits der Anstalt.

Zur Ausstellung im Museum Vechta vom 6. April bis zum 27. Mai 2018 erscheint ein 80 Seiten starkes Begleitheft. Diese Publikation ist im Museum im Zeughaus erhältlich.
Am 6. Mai findet um 15 Uhr eine öffentliche Führung in der Ausstellung statt. Die Teilnahme an diesen Führungen ist kostenfrei, zu zahlen ist lediglich der normale Museumseintritt.

www.museum-vechta.de/veranstaltungen/museum-im-zeughaus

Foto mit der Zeichnung: Museum-Vechta