Erst in edler Gesellschaft, dann auf die Rollschuhbahn

Sie wurde 1830 in der Rhön gebaut und war für den Export bestimmt.  Man mochte die Salon-Orgel in Deutschland nicht so sehr, weil sie nach Drehorgel klang. Offensichtlich war das damals nicht edel genug.
Und so  wurde sie an einen Adligen in Russland verkauft. Seine Bediensteten drehten die Kurbel, die Walzen drehten sich, man tanzte zur Musik. Als der Adlige zum russischen Botschafter in Berlin ernannt wurde, nahm er seine Salon-Orgel mit nach Deutschland.

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Ihr Ende nahte beim Sturm auf die russische Botschaft in Berlin aufgrund der Russischen Revolution. Die Besetzer nahmen viel wertvolles Mobiliar mit, andere Gegenstände stellten sie einfach an die Straße, auch die Salon-Orgel.

„Die kann ich gebrauchen“, meinte der Besitzer einer Rollschuhbahn, als er das schlecht behandelte Musikinstrument auf dem Bürgersteig sah. Er fand, die Walzen hätten ihre besten Zeiten gesehen und beauftragte einen Walzenmacher: „Mach mir mal was Neues, mit aktuellen Musikstücken“.

Gesagt, getan: Die Walzen spielen noch heute Musik der frühen 1920 er Jahre. Der neue Besitzer nutzte die Salon-Orgel bis in die vierziger Jahre hinein: im Sommer an der Rollschuhbahn, im Winter an der Eislaufbahn.

Irgendwann kaufte ein Liebhaber der Mechanischen Musikinstrumente die Orgel, wohl, um eine Sammlung von Drehorgeln zu vervollständigen. So kamen diese und viele andere Instrumente ins Museum Mechanischer Musikinstrumente (MMM) in Königslutter. Das MMM erinnert an eine große Drehorgel, die in wenigen Jahren ihren 200. Geburtstag feiern wird.

Die Salonorgel steht neben den frühen mechanischen Instrumenten.Die Walze war gut gearbeitet.Was muss die Fertigung damals für Zeit gekostet haben?Die Front ist aus Holz.Von der Rollschubahn ins Musem - schön restauriert.