Von Chikago nach Königslutter

Sie ist fast 100 Jahre alt und sehr gut in Form: die Stummfilm-Orgel, die wie ein Klavier aussieht. Zuletzt stand sie in einem Kino in Chicago.

1916 wurde sie von „The Wurlitzer Company“ in den USA gebaut. Firmenchef Rudolph Wurlitzer stammte aus Sachsen und wanderte 1853 in die USA aus. Da war er gerade 24 Jahre alt. Seine Vorfahren waren Hersteller und Händler von Musikinstrumenten. (Quelle: http://wurlitzer.de/tradition)

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1916 ist sehr früh, denn zu jener Zeit gab es nur kleine Stummfilmsequenzen, fünf bis zehn Minuten lang. In Deutschland werden häufig „Kaiser Wilhelm reitet mit seinen Söhnen über die Schlossbrücke“ und ähnliche Themen angeboten. In England zeigt man auch kurze Sequenzen mit Monarchen.

Der andere Themenbereich zählt eher zum Rotlicht-Milieu. Es gab ganz viele kleine Erotik-Streifen, weshalb man auch nicht unbedingt in die großen Lichtspielhäuser gehen sollte. Jungen Damen wurde das nur in Begleitung empfohlen.

Zwei Musikrollen sind im Stummfilm-Klavier. Sie können zwischendurch bequem gewechselt werden, d.h. wenn die Aktion im Film langsamer ist, kann man was Langsameres nehmen oder etwas Schnelleres einblenden. Mit Sound-Effekten können Szenen dramatisiert werden, insgesamt 10 verschiedene Klang-Effekte sind eingebaut: Trommeln, Hufgetrappel, Donner und so weiter.

Und wenn der Pianist meinte, er müsse jetzt eine Improvisation zum Film machen, ging das natürlich. Er stellte dann einfach die Musikrolle ruhig.

In den 1920er Jahren wurden für damalige Verhältnisse sehr lange Spielfilme produziert. „Metropolis“ von Fritz Lang ist wahrscheinlich der bekannteste, der mittlerweile auch zum „Weltkulturerbe“ gehört. 1927 waren Filme in eineinhalb Stunden Länge schon selbstverständlich. Parallel zur Filmproduktion wurde am Ton gearbeitet, und bereits Ende der 1920 Jahre gab es den synchronen Ton zum Film.

Das war das Aus für die Stummfilm-Orgeln, von denen im Laufe der Zeit wegen der Länge der Filme auch viel größere gebaut wurden.
Freuen Sie sich deshalb bei Ihrem Besuch über die Stummfilm-Orgel im Museum Mechanischer Musikinstrumente.

 

 

Das ist das gute Stück.Die Musik kommt von der PapierrolleHier kann man zusätzliche Effekte einstellen.Nochmal alles zusammen: Papierrollen und "Extras"Ein schöner Platz im MMM