Moskau – Weener und zurück

Sieben Studentinnen und Studenten der Russischen Gnessin Musikakademie Moskau spielen eine Woche an berühmten Orgeln

Sie alle sind in ihrem Fach hochbegabt, ihr Lehrer Professor Alexander Fiseisky hat in Moskau eine vielbeachtete Orgelausbildung auf hohem Niveau etabliert, in diesem Jahr waren sie zum ersten Mal in der Orgellandschaft Ostfriesland.

 

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Vom 22. bis zum 30. September kamen Prof. Fiseisky und sieben Studentinnen und Studenten ins ORGANEUM nach Weener (Ems). Zusammen mit LMKD Winfried Dahlke unternahmen sie von dort aus Exkursionen zu berühmten Denkmalsorgeln der Region und gaben öffentlich Konzerte.

Studienreise und Konzerte wurden organisatorisch und finanziell unterstützt durch den Verein Orgelkultur in Ostfriesland OMGO e.V. und durch das ORGANEUM in Weener.

Winfried Dahlke ist Direktor des Organeums und  Landeskirchenmusikdirektor der Evangelisch-reformierten Kirche, Organist an der Großen reformierten Kirche in Leer, Orgelrevisor für den Ev.-luth. Sprengel Ostfriesland, Lehrbeauftragter der HfK Bremen und Mitglied des Arp Schnitger-Instituts für Orgel und Orgelbau an der HfK Bremen.

Im folgenden werden intensive Studienwoche und die hochwertigen Orgeln beschrieben:

Montag, 23. September: Musikalische Führung durch das ORGANEUM
Winfried Dahlke geleitete die Gäste in der prunkvollen ORGANEUM-Villa in der Norderstraße (Weener) durch die Sammlung historischer Tasteninstrumente. Dort eröffnete sich das ganze Spektrum historischer Tasteninstrumente von Nachbauten wichtiger Renaissanceinstrumente in praetorianischer Stimmung wie dem Praetorius-Clavichord [M. Griewisch], dem Cembalo Universale [K. Hill], dem Cembalo nach Ruckers [K. Hill], dem Cembalo nach altitalienischen Vorbildern [K. Ahrend], über Originalinstrumente und Nachbauten des Hochbarock wie dem Cembalo von Christian Zell (1741), der Kabinett-Orgel von Ibe Peters Iben (1790), der Bureaux-Orgel von F.C. Schnitger d.J. & H.H. Freytag (1796[?]), dem Cembalo nach Dulcken [K. Ahrend], einem Nachbau nach Zell [M. Sassmann],

den Clavichorden nach Hass [K. Hill] und Hubert [Gr. Bergmann], über Tafelklaviere von Hinrichs (1822) und Knake (Mitte 19. Jh.), über Druckwind- und Kunstharmonien von V. Mustel, Debain, Schiedmayer, über das  Pedalklavier und  Pedalharmonium bis hin zu den Demonstrationsorgeln, die sämtliche Funktionseinheiten der Schleifladenorgel einschließlich symmetrischen Prospekt und mitteltöniger Stimmung vermitteln. Der Vergleich von rein mitteltönig gestimmten Instrumenten, hochbarocken wohltemperierten Stimmungen und der gleichstufigen Temperatur verdeutlichte die Zusammenhänge zwischen Originalklang und zugehöriger Literatur.

Anschließend besuchte die Gruppe die benachbarte Georgskirche (Weener) mit der Orgel von Arp Schnitger (1710), erweitert durch Johann Friedrich Wenthin (1782). Der verbliebene Abend gab Gelegenheit, bis Mitternacht auf den Instrumenten zu üben und Konzertvorbereitungen für den Dienstagabend zu treffen.

Dienstag, 24. September: Erste Exkursion: Stapelmoor und Jemgum
Die erste Exkursion führte die Gruppe zu zwei Stationen der Europäischen Orgelstraße, Stapelmoor (Nachbau der Cliquot-Orgel von Houdan) und Jemgum (W. Walker-Orgel, London, 1844). Nach kurzen konzentrierten Orgelvorstellungen durch Winfried Dahlke erhielten die Studentinnen und Studenten die Möglichkeit, ausgiebig Spielerfahrungen zu sammeln.

Der Dienstagnachmittag diente der intensiven Vorbereitung für das erste Konzert um 20.00 Uhr auf der Schnitger/Wenthin-Orgel mit Werken von  M. Praetorius, D. Buxtehude, V. Lübeck, J.N. Hanff, J.S. Bach und J.Chr. Kellner.

Mittwoch, 25. September: Sechs Orgeln in 15 Stunden

Der Mittwoch stand im Zeichen einer großen 15-stündigen Exkursion nach Norden, Osteel, Pilsum, Jennelt, Uttum und Rysum. Ohne Ermüdungserscheinungen nahmen alle Studenten die Möglichkeit wahr, umfassende Spielerfahrungen zu sammeln und die Klänge aus Gotik, Renaissance und Barock in ihr Klanggedächtnis aufzunehmen. Die Edo Evers-Orgel von Osteel (1619) verschaffte an Spieltisch und Balgtretanlage jede Menge Spaß und blieb allen in besonders liebevoller Erinnerung.

Donnerstag, 26. September: Zwei Orgel in Leer

Am Donnerstag trafen sich die Studierenden zur Vorstellung der beiden großen Leeraner Stadtorgeln in der Großen Reformierten Kirche (De Mare, Hinsz, Höffgen, Ott, Ahrend & Brunzema [vor 1609 bis 1971]) und in der Lutherkirche (Jürgen Ahrend 2002 im historischen Gehäuse von H.J. Müller [1795]).
Nach einer Übezeit bis zum späten Mittag sammelte die Gruppe im ORGANEUM Kraft und feilte am Programm für das abendliche Konzert in Leer. Um 20.00 Uhr gestalteten die Studenten in der unvergleichlichen Atmosphäre der Großen Kirche ein eindrückliches Konzert mit Werken von V. Lübeck, D. Buxtehude, J.S. Bach, F. Mendelssohn Bartholdy und A.F. Hesse.

Anstelle eines gemeinsamen Essengehens zogen es die Studenten vor, die Zeit bis Mitternacht im ORGANEUM an den historischen Tasteninstrumenten in den sieben Musikzimmern zu verbringen. 

Freitag, 27. September: Die Magnuskerk in Bellingwolde, Dreharbeiten in Weener

Der Freitagvormittag war für eine Exkursion zum niederländischen Grenzort Bellingwolde reserviert, wo in der spätgotischen Magnuskerk ein nahezu vollständig original erhaltenes Werk von F.C. Schnitger d.J. und H.H. Freytag aus dem Jahre 1797 erhalten ist.

Am Nachmittag verwandelte sich das ORGANEUM wieder in ein Haus polyhymnischer Klänge, um das abendliche Haus-Wandel-Konzert an sechs Tasteninstrumenten vorzubereiten. Dazu hatte sich auch ein Fernsehteam des NDR eingefunden, das über die Aktivitäten öffentlicher Stiftungen berichtete und Teile des Konzerts mitschnitt. Mit Nervenstärke und instrumentalem Einfühlungsvermögen ließen die Studenten auch diesen Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis für die Zuhörer werden.

Samstag, 28. September: letzte Station der Europäischen Orgelstraße und Abschlusskonzert in Bellingwolde

Am Samstag stand mit der italienischen Orgel in Rhede (Ems) die letzte Station der Europäischen Orgelstraße auf dem Programm. Die Klangentwicklung der feinen Principale in der großartigen Akustik war für alle von hohem Erkenntnisgewinn.

Anschließend fanden sich alle in der Magnuskerk Bellingwolde zur Vorbereitung des Abschlusskonzerts ein. Mit viel Sorgfalt wurde auch hier ein fein abgestimmtes Programm eingerichtet, dass von der Konzertkommission und den Besuchern mit Wärme und Begeisterung aufgenommen wurde.

Sonntag, 29. September Rückreise

Am Sonntagmorgen hieß es dann in aller Frühe Abschied voneinander zu nehmen, weil die Gruppe die Weiterreise nach Hettstedt antreten musste. Nach einer Woche enthusiastischer Musikbegeisterung und intensiver Gemeinschaft war dies kein leichter Gang.

Die Studentinnen und Studenten der Russischen Gnessin Musikakademie Moskau sind als feinsinnige Künstlerpersönlichkeiten mit individuellem Profil in bleibender Erinnerung geblieben. Es war bemerkenswert, mit welchem Einfühlungsvermögen sie sich schnellstens an die unterschiedlichen Klaviaturmensuren und Tastangänge anzupassen vermochten. Ihre Einsatzbereitschaft, Aufnahmefähigkeit, menschliche Integrität und ihr begeistertes Zugehen auf die unterschiedlichen Instrumente ließen diese Woche zu einem großen Erfolg und unvergesslichen Erlebnis werden. Die Verbindung zwischen Weener und Moskau, die bereits in früheren Jahrhunderten von Bedeutung war, hat durch diese Woche eine intensive Erneuerung gefunden.

Winfried Dahlke

 



Die Gäste aus Moskau und ihr Gastgeber Winfried Dahlke (rechts) auf der Treppe des ORGANEUMS.Gruppenfoto an der Iben-Orgel im ORGANEUM.  In der Mitte links Prof. Alexander Fiseisky und Winfried Dahlke.Kurz vor Beginn des Konzerts an der Arp-Schnitger-Orgel  in der Georgskirche in Weener.Student aus Moskau an der Orgel in Osteel.Die Orgel in Rysum –  555 Jahre altIn der Großen Reformierten Kirche (Leer)An der Orgel in der Magnuskerk BellingwoldeIm ORGANEUM, dem Zentrum für Orgelkultur in Ostfriesland.Fleißige Studenten spätabends im ORGANEUM.Ungewöhnlich:  die italienische Orgel in Rhede.Eine einmalige Chance für die Studenten aus Moskau, diese Orgel und die anderen wertvollen Instrumente zu spielen.Beim Abschlusskonzert in der Magnuskerk Bellingwolde.

TERMINE

Eröffnungstag am Samstag,
14. April 2012

Programm der Jubiläumsreihe (PDF)

Rysum feiert Orgel-Geburtstag (PDF)

Fotoserie
Rysum feiert Orgel-Geburtstag
Rückblick Gotische Orgelwoche