Parka, Pop und Minirock - Mode und Lebensart der 60er und 70er Jahre

Parka, Pop und Minirock – Mode und Lebensart der 60er und 70er Jahre

Bis zum 12. Juli 2020 zeigt das Stadtmuseum Einbeck die Sonderausstellung „Parka, Pop und Minirock“, die in Kooperation mit dem Museum Bad Münder entstand.

Kaum war der zweite Weltkrieg vorbei, interessierte sich die Welt wieder für Mode. Christian Dior hob 1947 in Paris den New Look aus der Taufe. Betonte diese Mode anfangs noch die Klassenunterschiede, wurde sie später allgemein als Versprechen für Wohlstand, Eleganz und Lebensfreude empfunden. Sie wurde zum Markenzeichen der neuen Mittelklasse. Tellerröcke und Taille feierten Erfolge.

In den 1960er Jahren kreierte die englische Designerin Mary Quant den Minirock. Als Model wurde „Twiggy“ weltberühmt. Der französische Modeschöpfer Courrège machte den Minirock zum Hingucker auf den Laufstegen der Haute Couture.

Die Strumpfindustrie reagierte schnell. Sie hatte bis dahin Strümpfe produziert, die an mehr oder weniger reizvollen „Hüfthaltern“ befestigt wurden. Mit dem Minirock kam die Strumpfhose auf den Markt.

Latzhosen - elegant bei Marlene Dietrich

Die weibliche Emanzipation begann nicht zuletzt mit dem Tragen von Hosen. Marlene Dietrich wurde mit eleganten Hosenanzügen zur Modeikone. Die Lastexhose mit Steg für einen straffen, faltenfreien Sitz fand den Weg vom Sport in den Alltag.

In den 60er und 70er Jahren gewann die Latzhose viele Freundinnen: in der Kinderkleidung, der Umstandsmode und Freizeitkleidung, aber auch in mancher „Szene“ war sie beliebtes Symbol für unangepasste Weiblichkeit.

Jetzt kommt die Jeans

Den wahren Siegeszug aber trat die Jeans an. Die robusten Arbeiterhosen aus den USA wurden in den 60er Jahren wohl zum meistverkauften Kleidungsstück. In den späten 60er und 70er Jahren mussten sie eng sitzen. Viele von uns teilen die Erinnerung an Sessions in der Badewanne, um das neugekaufte Stück passgenau zu machen. Dann entwickelten sich die Schlaghosen, bodenlang, bunt bestickt und unten so weit wie möglich.

Schick und Eleganz erstreckten sich auch auf die Accessoires. Hüte, Taschen und Schuhe mussten farblich zur Kleidung passen. Die berühmten Schmetterlingsbrillen für die Damen und die dicken schwarzen Hornbrillen für den Herrn gaben auch dem Durchschnittsgesicht eine besondere Note. Die Damen trugen Lippenstift und Nagellack in auffälligen Rottönen. Die Dauerwelle war heiß begehrt – wegen der damals zur Verfügung stehenden Chemikalien bedeutete sie aber auch stundenlange Torturen unter der Trockenhaube. 

Lippenstift, Nagellack und schwere Parfums

In den 70er Jahren wurden die Lippenstifte und Nagellack pastellfarben – dafür betonte Kajal und kräftig-farbiger Lidschatten in blau, grün, gold oder braun und der die Augen. Im Gegensatz zum vorher beliebten Eau de Cologne, Lavendel-Duft oder Chanel No. 5 wurden jetzt schwere Parfums mit Patschuli- oder Moschusduft bevorzugt.

In den 70er Jahren waren die Accessoires genauso auffällig und schrill wie die textile Mode: übergroße Sonnenbrillen, breite Ledergürtel mit auffälligen Schnallen, bunte Schals und Modeschmuck. Extrem lange Ketten aus Muscheln, Glas- oder Holzperlen wurden gleich mehrfach um den Hals gewickelt, genauso wie überlange, dicke Wollschals, deren Enden bis auf die Erde reichten.

Für die linksliberale Szene wurde das „Palästinensertuch“, die arabische Kefiah, zum Status-Symbol und Erkennungszeichen. Zu dieser Ausstattung gehörte auch die tarnfarbene Nato-Umhängetasche und verschiedene Buttons, oft mit politischen Botschaften. Der bis heute bekannteste Button dieser Zeit trägt das „Atomkraft – Nein danke!“-Symbol, die strahlende rote Sonne auf gelbem Grund.

Ach ja, die Plateauschuhe

Während heute Lady Gaga und Jorge Gonzales mit extravaganten Kreationen auf der Bühne großes Aufsehen erregen, stolpern viele modebegeisterte Teenager mal mehr, mal weniger unbeholfen auf Plateauschuhen durch den Alltag. Ende der 60er Jahre waren diese Schuhe schon einmal sehr verbreitet. Auch die damals jungen Mädchen kämpften mit Laufschwierigkeiten, und Beinbrüche nahmen auffallend zu – die Krankenkassen schlugen Alarm!

In den 1970ern wurden die Plateauschuhe wieder spitzen Schuhen mit Pfennigabsätzen abgelöst. Daneben trug eine ganze gesundheits- und naturbewusste Generation „Camel Boots“ oder „Entenschuhe“, also flache und breite Laufschuhe, die bestens zu Jeans und Parka im Alltag passten. Die von „Gurus“ und der Hippie-Bewegung Inspirierten bevorzugten Sandalen, auch „Jesus-Latschen“ genannt.

 

Stiefel wurden nicht nur im Winter, sondern auch im Frühjahr und Herbst in allen Längen getragen: kurze „Boots“ und Stiefeletten, wadenlange oder unterhalb des Knies endende Stiefel. Als besonders sexy galten Stiefel, die bis zum halben Oberschenkel reichten.

Die Flower-Power-Kreativität steckt an

Mit den Vorbildern der Flower-Power-Bewegung und der Pop-Kultur kam aus den USA eine sehr legere Mode nach Deutschland, die sofort begeisterte Anhänger fand.  Handgefärbte Textilien, wallende Gewänder, Stickereien, inspiriert von indischer Textiltradition, füllten die alternativen Textilgeschäfte. Kleidung selber zu färben führte jahrelang zu ausgedehnten Haushaltsexperimenten mit teils überraschenden Ergebnissen, nicht zuletzt für die geplagten Mütter der Teenager-Generation.

Kult war das selbstgefärbte Batikhemd: ein Feinripp-Unterhemd oder ein T-Shirt wurde meist in kreisförmigen Mustern abgebunden und mit leicht erhältlichen Indanthrenfarben in Mutters Kochtopf heiß gefärbt. Die heiß geliebten Batikhemden wurden getragen bis sie zerfielen.

Damit breitete sich eine umfangreiche Do-it-yourself-Bewegung aus: Kleidung selber nähen, Wolle selbst färben, spinnen und verstricken war „in“. Übergroße Strickpullover, Schals und Häkelmützen dominierten die Jugendmode.

Und dann war da noch der Parka

Statt Mantel trugen Viele die Parka, ein übergroßer Anorak in Nato-Grün: Als Gegenentwurf zum Sonntagsanzug und hübschen Blumenkleidchen provozierte er zunächst mit Formlosigkeit und Verweigerung jeden modischen Prestiges. Zuletzt wurde er aber so allgegenwärtig, dass von seiner Rolle als Protestsignal keine Rede mehr sein konnte.

Der Blick dieser Ausstellung, geplant von Angehörigen der damals jungen Generation, richtet sich auf die Mode und das Lebensgefühl jener Zeit. Das Museum Bad Münder hat über Jahre eine herausragende Sammlung zusammengetragen, die bei jedem Betrachter persönliche Anklänge weckt. Machen Sie sich auf in Ihre eigenen Erinnerungen an die 60er und 70er – Sie werden eine Menge Spuren entdecken.

 

Kontakt:

Stadtmuseum Einbeck

Auf dem Steinwege 11/13

37574 Einbeck

Fon: 05561-916 504

email: museum@einbeck.de

www.stadtmuseum-einbeck.de

 

Öffnungszeiten:

Di bis So 11.00 -16.00 Uhr und nach Vereinbarung

 

Eintrittspreise:

Erwachsene 5 € /ermäßigt 3 €

Kinder bis 6 Jahre frei

Schüler (bis 18 Jahre) 1 €

Gruppen ab 10 Personen 3 € p.P.

Führungen und Rahmenprogramm auf Nachfrage